Beim fortgeschrittenen Brustkrebs lässt sich die Tumorprogression d.h. das Fortschreiten der Krankheit mit Hilfe von Bisphosphonaten bremsen. Das ist ein erstaunliches Ergebnis, denn bisher wurden die Biphosphonate nur eingesetzt, wenn Knochenmetastasen vorlagen zur Verhinderung weiteren Forstschreitens und zur Rekalzifizierung.

Fortgeschrittetenes Mammakarzinom: Therapie mit BiphosphonatenDie am häufigsten verwendeten Medikamente sind Ostac, Bonefos oder Aredia. Bei Knochenmetatstasen wurden die Medikamente meist wöchentlich oder aber drei wöchentlich infundiert. Nun hat eine Studie überraschenderweise gezeigt, dass Frauen,die mit Clodronat behandelt wurden nach drei Jahren nur halb soviel neue Metastasen hatten wie die Kontrollpatientinnen. Wider Erwarten verringerte sich auch die Zahl viszeraler Tochtergeschwülste d.h Absiedlungen in den Weichteilen.

In der Studie wurden insgesamt 302 Frauen mit primärem Brustkrebs behandelt. Alle hatten Tumorzellen im Knochenmark, was als Risikofaktor für die Entwicklung hämatogener Metastasen gilt. Zusätzlich zur Standardtherapie (mit Operation, Hormonen und Zytostatika) erhielten 152 der Frauen zwei Jahre lang täglich 1600 mg Clodronat (Ostac) oral. Nach einer mittleren Beobachtungsdauer von 36 Monaten hatten in der Bisphosphonat-Gruppe nur halb so viele Frauen neue Fernmetastasen entwickelt als in der Kontrollgruppe (21 vs. 42). Neben Knochenfiliae waren bei ihnen auch die viszeralen Tochtergeschwülste deutlich verringert. In der Kontrollgruppe waren 22 Patientinnen verstorben, in der Clodronatgruppe dagegen nur 6.

Der Effekt auf den Knochen war zu erwarten, weil schon andere Studien eine Reduktion ossärer Metastasen unter Bisphosphonat-Therapie gezeigt hatten. Noch ist allerdings unklar, wie die positive Wirkung auf das Tumorgeschehen zustande kommt. Wir glauben, dass Bisphosphonate nicht nur eine Apoptose von Osteoklasten und Makrophagen induzieren sondern vielleicht auch der Tumorzellen. Auch könnte das Medikament mit Adhäsionsmolekülen auf Tumorzellen interferieren, so dass die Zellen an der veränderten Oberfläche der Knochenmatrix nicht mehr andocken können.

Dennoch bleibt die Reduktion viszeraler Metastasen schwierig zu erklären, vielleicht ist die Hemmung der Tumorprogression, die der malignen Zellproliferation Grenzen setzt der Veränderungen im Mikroklima zuzuschreiben. Denkbar ist auch ein synergistischer Effekt mit Zytostatika, durch den der Tumor an zwei Fronten gleichzeitig angegriffen wird. Ob Clodronat (Ostac, Bonefos) neue Metastasen gänzlich verhindert oder ob es nur das Wachstum bereits vorhandener Mikrometastasen bremst, kann angesichts der kurzen Nachbeobachtungszeit noch nicht beurteilt werden, dennoch sind die bisherigen Ergebnisse interessant und bilden die Grundlage für neue Therapiestrategien.

Literatur
  1.  J. Diel, et al., The New England Journal of Medicine Vol. 339, No. 6 (1998), S. 357 – 3-63