Rotwein, in Maßen getrunken, schützt nicht nur vor gefährlichen Ablagerungen in den Blutgefäßen, sondern beugt möglicherweise sogar Krebs vor. Diese Hoffnung wird genährt durch die Ergebnisse einer neuen Studie, die jetzt im Wissenschaftsmagazin „Science“ vorgestellt wurde.

Ein Wirkstoff in der Schale von Trauben hemmt Zellwucherung. Es handelt sich um die Substanz Resveratrol, die auch im Rotwein nach Kelterung erhalten bleibt- Die zerquetschten Trauben bleiben bei der Rotweinherstellung auf den Schalen liegen und ziehen aus ihnen Farbe und Wirkstoffe. Im Weißwein hingegen fehlt die Substanz, da die Schalen vor der Gärung entfernt werden.

Schützt Rotwein auch vor Krebs?Wissenschaftler der Universität von Illinois beobachteten in Laboruntersuchungen, dass Resveratrol auf verschiedenen Ebenen Krebs bekämpfen kann: Es schwächt die Wirkung karzinogener Stoffe ab; es hemmt Entstehung und Wachstum von Tumoren-, es repariert defekte Zellen, die drohen, zu Krebszellen zu entarten.

Die Forscher, die derzeit im Rahmen einer umfangreichen Studie die Wirkstoffe von mehr als 1000 Pflanzen untersuchen, isolierten Resveratrol nicht nur aus der Schale von Weintrauben, sondern auch aus Erdnüssen, Lilien und den Wurzeln des Chinarinden-Baums. Nach Angaben von Professor John Pezzuto, Leiter des Instituts für Pharmakologie, ist Resveratrol die chemische Antwort einer Pflanze auf Belastungen aus der Umwelt, insbesondere auf Pilzerkrankungen.

Bei Resveratrol handelt es sich um eine einfache chemische Substanz, die ohne Schwierigkeiten synthetisch hergestellt werden könnte. Im Laborversuch wurde nachgewiesen, daß Resveratrol den Cholesterinspiegel senkt und die Bildung von Blutgerinnseln hemmt.

Für Professor Peter Greenwald, Leiter der Abteilung Krebsvorbeugung und -Kontrolle am National Cancer Institute der USA, fügen sich die jetzt gewonnenen Erkenntnisse über Resveratrol in eine ganze Reihe von Studienergebnissen, die die krebsvorbeugende Wirkung von Obst und Gemüse belegen: In mehr als 150 Studien wurde nachgewiesen, daß Menschen, die reichlich Obst und Gemüse essen, deutlich.seltener an Krebs erkranken.

Pflanzliche Nahrungsmitte enthalten neben den Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen zahlreiche Wirkstoffe, die vor Krankheiten schützen: Antioxidanzien wie Ascorbinsäure bekämpfen im Blut sogenannte „Freie Radikale“, die die Zellen schädigen. Genistein, das vor allem in Soja vorkommt, behindert die Blutversorgung von Tumoren und hemmt dadurch ihr Wachstum. Andere Substanzen regen die Produktion von Enzymen zur Entgiftung krebserregender Stoffe an. Sterole stoppen das unkontrollierte Wachstum von Zellen.

Versuche an der Universität von Illinois belegen, dass das in Weintrauben enthaltene Resveratrol eine entzündungshemmende Wirkung hat und die Vermehrung von Blutkrebszellen

hemmt. Versuche mit Mäusen zeigten, dass Resveratrol die Wucherung von Zellen blockieren kann. Die Erkenntnisse über die positiven Eigenschaften des Resveratrols wurden bislang ausschließlich in Labortests gewonnen. Weitere Forschung soll klären, ob und wie die alkohollösliche Substanz beim Genuss von Rotwein vom Körper absorbiert wird.